Samstag, 18. April 2009

Simulacra

simulacra
Februar 20th, 2009 publié par derivat



Simulacrum als Erkenntnisinstrument
a copyriot of http://de.wikipedia.org/wiki/Simulacrum


Nach Roland Barthes rekonstruiert ein Simulacrum seinen Gegenstand durch Selektion und Neukombination und konstruiert ihn so neu. Es entsteht eine „Welt, die der ersten ähnelt, sie aber nicht kopieren, sondern einsehbar machen will“. Das Simulacrum ist insofern auch ein Merkmal der strukturalistischen Tätigkeit:

„Das Ziel jeder strukturalistischen Tätigkeit […] besteht darin, ein ‚Objekt‘ derart zu rekonstituieren, dass in dieser Rekonstitution zutage tritt, nach welchen Regeln es funktioniert (welches seine ‚Funktionen‘ sind). Die Struktur ist in Wahrheit (= auch Simulacrum [derivat]) also nur ein Simulacrum des Objekts, aber ein gezieltes, ‚interessiertes‘ Simulacrum, da das imitierte Objekt etwas zum Vorschein bringt, das im natürlichen (Nadürlischgeit= auch Simulacrum [derivat]) Objekt unsichtbar oder, wenn man lieber will, unverständlich blieb.“
(Barthes: Die strukturalistische Tätigkeit, in: Kursbuch 5, Mai 1966, S. 190-196)



Simulacrum als Spur


Jacques Derrida sieht das Simulacrum als Merkmal der Spur (und damit als Gegensatz (= auch Simulacrum [derivat]) zu Walter Benjamins Begriff der Aura):

„Da die Spur kein Anwesen ist, sondern das Simulacrum eines Anwesens, das sich auflöst, verschiebt, verweist, eigentlich nicht stattfindet, gehört das Erlöschen zu ihrer Struktur.“
(Derrida: Die différance, in: Peter Engelmann (Hg.): Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart: Reclam 1990, S. 107.)


Medientheorie

Das Simulacrum ist auch ein zentraler Begriff in zeitgenössischen Theorien der Virtualität bzw. Virtualisierung insbesondere von Gilles Deleuze, Paul Virilio, Pierre Klossowski und vor allem Jean Baudrillard. Baudrillard unterscheidet verschiedene historische Formen von Simulacren (Imitation, Produktion, Simulation) und beschäftigt sich besonders mit dem Simulacrum der Simulation als dem dominanten Simulacrum der durch Massenmedien bestimmten Gegenwartsgesellschaft. Das Kennzeichen dieses modernen Simulacrums besteht nach Baudrillard darin, dass die Unterscheidung zwischen Original und Kopie, Vorbild und Abbild, Realität und Imagination unmöglich geworden und einer allgemeinen „Referenzlosigkeit“ der Zeichen und Bilder gewichen sei.


Auch in konstruktivistisch orientierten Medientheorien wird eine faktische Auflösung der klassischen Unterscheidungen und Differenzen konstatiert und unter den Schlagworten der Virtualisierung, Metamedialisierung, Autopoietisierung, Autologisierung, Kybernetisierung und Fiktionalisierung untersucht.



Literarische Rezeption des Begriffs


Simulacra (Originaltitel: The Simulacra) ist der Titel eines Romans des US-amerikanischen Schriftstellers Philip K. Dick aus dem Jahre 1964. Dick verwendete ferner diesen Begriff häufig als Synonym zu „Android“, womit ein menschlich aussehender und agierender Roboter bezeichnet wird.


Simulacron-3 ist der Titel eines Science-Fiction-Romans des US-amerikanischen Autors Daniel F. Galouye von 1964, in dem es um die Idee einer vollständig innerhalb eines Computerprogramms simulierten Scheinwelt geht. Der Stoff wurde zweimal verfilmt: Einmal als Welt am Draht (1973) von Rainer Werner Fassbinder, ein weiteres mal als The 13th Floor – Bist du was du denkst? (1999). Auch der Film The Matrix (1999) greift die Idee der Welt als Simulacrum auf.




Literatur
  • Jean Baudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod, München. Matthes & Seitz 1976
  • Jean Baudrillard: Agonie des Realen, Berlin: Merve 1978
  • Jean Baudrillard: Simulacra and Simulation, Michigan: University of Michigan Press 1995, ISBN 0472065211 (z.T. identisch mit Agonie des Realen)
  • Christa Karpenstein-Eßbach: Einführung in die Kulturwissenschaft der Medien. München: Fink 2004
  • Roland Barthes: Die strukturalistische Tätigkeit, in: Kursbuch 5, Mai 1966, S. 190-196
  • Jacques Derrida: Die différance, in: Peter Engelmann (Hg.): Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart: Reclam 1990
Weblinks
Richard Heinrich: Ausdruck und Abbild. Wissen, Zeichen, Ähnlichkeit
Roland Barthes: Die strukturalistische Tätigkeit, in: Kursbuch 5, Mai 1966, S. 190-196
Daniel Hermsdorf: Die 1000 Lügen des Kinos – Zu Baudrillards Begriff der Simulation und seiner filmtheoretischen Relevanz
John Tufail: The Illuminated Snark. An enquiry into the relationship between text and illustration in ‘The Hunting of the Snark’. 36. S, 13. Februar 2004 (S. 29ff: Beispiel für die Verwendung von Simulacra)

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entnommen von: http://meta.copyriot.com/simulacra, am 18. April 2009

Philip Kindred Dick

Über Philip K. Dick

Philip-K-Dick
Genialer Autor, verrückter Phantast, großer Vordenker, düsterer Schwarzmaler - für Philip Kindred Dick ließen sich viele Markenzeichen eintragen. Der amerikanische Science-Fiction-Autor gilt - gerade in Europa - als einer der ganz großen Visionäre seiner Zeit. Sein kurzes Leben glich fast vom ersten Tage einer Achterbahnfahrt - an deren Ziel ein Endlos-Looping auf Mr. Dick wartete.
Christian Gaca
(entnommen von: http://www.philipkdick.de/biografie.html, am 17. April 2009)



Philip Kindred Dick wird am 16. Dezember 1928 in Chicago mit seiner Zwillingsschwester Jane geboren, die bereits 6 Wochen später stirbt. Die Schuld daran gibt er seiner Mutter, die angeblich aus Geldmangel und Vernachlässigung ihr Kind nicht ins Krankenhaus gebracht hat. Er fühlt seinen regierungskonform geltenden Eltern gegenüber tiefe Abgneigung. Auch die Scheidung dieser Eltern prägte den Beginn seiner Literaturkarriere.


Mit 12 Jahren schreibt Dick bereits kleinere Gedichte und Kurzgeschichten und mit 14 Jahren seinen ersten Roman „Return to Liliput“. Noch vor seinem 18. Geburtstag landet er in psychologischer Behandlung und als er 18 Jahre alt ist, verlässt er sein Elternhaus. Eine weitere Leidenschaft von Dick ist die Musik. Bereits 1947 moderierte er eine Radiosendung für klassische Musik.


1948 heiratet er die Italienerin Jeanette Marlin, die Ehe hält nur 6 Monate.
1949 beginnt er in Berkeley ein Germanistik- und Philosophie-Studium.
1950 heiratet Dick die Berkeley-Studentin Kleo Apostolides und wird zeitgleich wegen „Querulantentum“ zwangsexmatrikuliert. Während dieser Zeit hat Dick Kontakte zur kommunistischen Partei und wird vom FBI beobachtet.


1950er-Dick


Dick beschließt als freier Autor zu arbeiten und verkauft 1952 die erste Kurzgeschichte an ein Science-Fiction-Magazin. 1955 erscheint bei AceBooks sein erster Roman „Solar Lottery“. Gesellschaftlich gelten seine Roman als Schund. Doch er war schnell bekannt und anerkannt und gewinnt 1963 mit „The Man In The High Castle“ (Das Orakel vom Berge) den begehrten „HUGO-Award“. 1974 verfehlt er mit „Flow My Tears, The Policeman Said“ (Eine andere Welt“) nur knapp den HUGO und den NEBULA.


1958 lässt er sich von Kleo scheiden und heiratet gleich darauf Anne Williams Rubinstein, mit der er noch eine Tochter namens Laura Archer bekommt. Dick wird immer ehrgeiziger und schreibt zeitweise 60 Seiten pro Tag unter Einsatz von Amphetaminen. Andere Drogen nahm er wenig, aber dennoch.
1964 folgt die Scheidung von Anne und er ehelicht 1966 die 21-jährige Nancy Hacket und ein Jahr später wird seine zweite Tochter, Isa (Isolde), geboren. 1970 folgt die Scheidung.

1970er-Dick

In den 70er Jahren hat er permanent Drogenprobleme und sein Haus wird zu einem Treffpunkt von Junkies und Kleinkriminellen. Sheila gab ihm wieder Lebensmut - doch sie weigerte sich ihn zu heiraten. Dies führte letztlich zur Trennung.

Als 1970 in Philip K. Dicks Haus eingebrochen und sein Aktenmaterial durchwühlt wird, ermittelt die Polizei nur kurz und Dick ist überzeugt, dass die CIA ihn überwacht, da in seinen Romanen die Regierenden stets kritisiert werden. Doch möglicherweise ist dies nicht nur Paranoia, denn Jahre später verrät ihm ein Geheimpolizist, der mit der CIA zusammengearbeitet hat, dass man sein Haus vielleicht verwüstet habe, da etwas das er geschrieben habe, die Wahrheit darstellte, ohne dass er es gewusst habe. Er deutete an, dass die Regierung vielleicht herausbekommen wollte, was er über eine Sache wusste, über die er fiktional geschrieben habe.


Wegen der Einbrüche und einigen versteckten Drohungen zieht Dick nach Kanada. Er kehrt jedoch zurück nach Kalifornien, nachdem er beinahe Selbstmord begangen hätte. Er hat Geld, denn United Artists kauft die Filmrechte für "Do Androids Dream Of Electric Sheep?". Seine Bücher verkaufen sich gut und er hat auch seine Drogenprobleme halbwegs im Griff.

1973 heiratet er das fünfte Mal – diesmal Tessa Busby mit der er einen Sohn namens Christopher bekam. 1974 halluziniert er eine Begegnung mit einem übernatürlichen Wesen, womöglich sogar mit Gott und so schreibt er eine Exegese und philosophiert in der Valis-Triologie (1981-1983) über die Problematik der Existenz Gottes.


Am 2. März 1982 stirbt Philip Kindred Dick mit 54 Jahren an Herzversagen. Sein Tagebuch füllt zum Zeitpunkt seines Todes über 10.000 Seiten.

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Vglw: http://www.philipkdick.de/biografie.html
Bilder entnommen von http://www.philipkdick.de

Weitere Informationen zu Philip K. Dick:
http://www.philipkdick.de/
http://www.philipkdick.com/

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Kernfache Medienwissenschaften Uni Wien SS 2009

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